Gibt es so etwas wie ein modernes Antiquariat?

Bei antiquarischen Büchern denkt man unweigerlich an alte und gebrauchte Exemplare, die ihre besten Zeiten schon hinter sich haben. Einige Abstriche muss man beim Kauf dann auch meist hinnehmen: vergilbte Seiten, leichte Beschädigungen und bei Fachbüchern – überholter Wissensstand. Antiquarisch kann, muss aber nicht automatisch „alt“ bedeuten.

Im Modernen Antiquariat ist die Buchpreisbindung aufgehoben

Der Buchmarkt bietet tatsächlich ein Segment, welches als modernes Antiquariat bezeichnet wird. Dahinter verbergen sich hauptsächlich neuere Bücher, bei denen die Preisbindung aufgehoben wurde. Bei Remittenden, gekennzeichneten Mängelexemplaren und verbilligten Restposten ist dies zum Beispiel der Fall. Auch die in Buchläden auf Extratischen beworbenen Bücherstapel mit den kreisrunden, roten Aufklebern kennt jeder: Originalausgabe 29,90 Euro, jetzt nur 9,90 Euro. Hier handelt es sich in der Regel um neu aufgelegte Sonderausgaben älterer, vergriffener Bücher oder um preiswerte Nachahmungen besonders erfolgreicher Titel, ohne Buchpreisbindung.

Alte Inhalte in neu gedruckten Büchern

Modernes Antiquariat hat also wenig mit alten oder gar historischen Büchern zu tun und findet sich dementsprechend auch selten beim klassischen Antiquitätenhändler. Vertrieben werden die zum modernen Antiquariat zählenden Titel über den stationären Buchhandel, Katalogversender und Online-Buchhandlungen. Weniger bibliophil bewanderte Kunden merken dies meist gar nicht. Sie freuen sich nur über den Kauf zum Sonderpreis. Echte Schnäppchenjäger hingegen suchen gezielt nach Restposten oder Mängelexemplaren und kennen die Adressen spezialisierter Läden und Internethändler. Der zunehmende Umsatz in diesem Segment spricht für sich. Mittlerweile gibt es bereits einige Verlage, die sich auf die Herausgabe modernen Antiquariats spezialisiert haben.