Mängelexemplare – nicht zwangsläufig mangelhaft

Mängelexemplare gelten im Buchhandel als Bücher mit leichten Transport- oder Lagerungsschäden. Dazu zählen beispielsweise Kratzer auf dem Buchdeckel, angestoßene Ecken oder ähnliches. Sie sind somit nicht mehr als neuwertig anzusehen. Diese Bücher werden mit einem Aufdruck als Mängelexemplare gekennzeichnet und dürfen günstiger in den Handel gebracht werden.

Mängelexemplare meist in gutem Zustand

In Fachkreisen werden Mängelexemplare heutzutage oft als moderne Antiquariate betitelt. Sie verkaufen sich nicht schlechter als andere Bücher, denn auch wenn Mängelexemplare aufgrund ihrer Schäden nicht mehr an den gesetzlichen Buchpreis gebunden sind, bedeutet das nicht, dass Leser damit automatisch ein qualitativ minderwertiges Buch erwerben. Der Großteil aller Mängelexemplare ist in einem tadellosen Zustand und einwandfrei zu lesen.

Wem es als Leser nur auf den Inhalt des Buches ankommt, den stören ein paar Kratzer auf dem Cover oder sonstige kleine Schäden nicht. Besonders Vielleser sind daher wahre Fans von Mängelexemplaren, denn der Kauf eines solchen Buches ist weitaus günstiger als der eines neuwertigen Hard- oder Softcovers.

Was gilt als Mängelexemplar?

Als Mängelexemplar gelten jedoch längst nicht mehr nur Bücher mit kleinen Fehlern. Auch Restauflagen, Sonderausgaben oder Antiquitäten finden sich immer häufiger in derselben Sparte wieder und können auf diese Weise günstiger verkauft werden. Sehr zur Freude von Sammlern, die regelmäßig die Gelegenheit nutzen, um im Internet nach bestimmten Büchern zu suchen, oder auch in den oftmals vor der Buchhandlung stehenden Angebotstischen zu schmökern. Denn in vielen Fällen sind Mängelexemplare nicht das, was der Name besagt, ganz im Gegenteil.

Inkunabeln – bevor das Buch Massenware wurde

Inkunabel ist die Bezeichnung für Druckwerke, die in der Frühzeit des Buchdrucks entstanden sind. Abgeleitet wird der Begriff von den lateinischen Substantiven incunabula (= Windeln) und cunae (= Wiege). Inkunabeln sind mit beweglichen Lettern gedruckte Schriften, die vor dem dem Jahr 1500 (und auch vor der Gutenberg Bibel) hergestellt wurden. Der Buchdruck wurde erst nach dieser Zeit mit neuen Techniken und Herstellungsverfahren weiter entwickelt und daher auch der metaphorische Begriff Inkunabel für alte Schriften, die zu Zeiten entstanden sind als der Buchdruck noch in den Windeln lag. Ein Synonym dafür ist demnach auch das Wort Wiegendruck.

Inkunabeln – der Anfang des modernen Buchdrucks

Das Wort Inkunabel wird vor allem in Fachkreisen der Buchwissenschaft und in der Inkunabelforschung verwendet. Durch die Weiterentwicklung des damaligen Buchdrucks wurde ein schnelleres und effektiveres Drucken möglich. Zuvor wurden Bücher und andere Schriften nur von Hand geschrieben. Dennoch waren Bücher zur damaligen Zeit noch keine Massenware, sondern wurden mühevoll in Handarbeit angefertigt. Verlegt wurden auch damals schon Schriften mit unterschiedlichen Inhalten.

So wurden Bibeln und fromme Schriften, aber auch Kräuter- und Medizinbücher oder regionale Texte gedruckt. Inkunabeln werden bibliothekarisch gesondert verwaltet und in Inkunabelkatalogen aufgelistet. Die Universität Heidelberg hat damit begonnen die alten Drucke zu digitalisieren und damit Inkunabeln über das Internet verfügbar zu machen.

Besonders große Inkunabelbestände haben die Württembergische Landesbibliothek Stuttgart und die Bayerische Staatsbibliothek München. Die berühmteste Inkunabel ist die Gutenberg-Bibel.

Blockbücher Fertigung – der Anfang des Buchdrucks

Blockbücher dürften mit Abstand zu den seltensten Exemplaren in den Antiquariaten zählen. In der Fertigung der Blockbüchern liegen zugleich die Wurzeln des Buchdrucks. Die Bücher bestehen aus Abzügen, welche von Holztafeln gemacht wurden. Dazu wurden die Bilder und Texte in das Holz geschnitten, mit Leimfarbe eingefärbt und auf Papier abgedruckt. Es konnte meist nur eine Seite bedruckt werden, da das Reibeverfahren starke Abdrücke auf der Papierrückseite hinterließ. Die Fertigung von Blockbüchern erwies sich als sehr wirtschaftlich. Da die Vorlagen über einen längern Zeitraum gelagert werden konnten, war es möglich, bei Bedarf immer neue Exemplare zu drucken.

Blockbücher Fertigung – eine chinesische Technik

Etwa im 7. Jahrhundert begann man in China mit der Fertigung von Blockbüchern. Als erstes gedrucktes Buch der Menschheitsgeschichte gilt das sechsseitige buddhistische Werk “Diamantsutra”, welches 868 entstand. In unseren Breiten begann man im 15. Jahrhundert mit der Fertigung von Blockbüchern (die Universität Oxford hat hier eine Zusammenstellung von Blockbücher veröffentlicht). Wissenschaftler vermuten, dass die Blockbücher bereits hergestellt wurden, bevor Gutenberg den Buchdruck durch seine beweglichen Letter reformierte. Heute sind 33 Werke in etwa 100 Blockbuch-Ausgaben bekannt. Besonders verbreitet war der Blockbuchdruck Mitte des 15. Jahrhunderts in den Niederlanden und in der Umgebung von Straßburg.

Meist vermittelten die Blockbücher religiöse Inhalte wie z.B. die so genannten Biblia pauperum (Armenbibel), einige Beispielseiten sind hier digitalisiert. Geläufig waren Gegenüberstellungen des Alten und Neuen Testaments, Abbildungen der 10 Gebote, oder Geschichten verschiedener Heiliger. Neben christlichen Inhalten enthielten Blockbücher auch Fabeln, Kalender, oder Lehrstoff. Blockbücher wurden bis etwa 1530 gefertigt. Den größten Bestand an Blockbüchern in Deutschland besitzt das Berliner Kupferstichkabinett.

Eisengallustinte damit schrieben bereits die Alten Römer

Die Eisengallustinte gilt noch heute als dokumentenecht und wird bereits – erstaunlicher Weise – seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. verwendet. Wobei die schwarzfarbige, etwas dickflüssige Tinte weniger für den modernen Füller geeignet ist, aber hervorragende Schreibergebnisse mit der traditionellen Tintenfeder ermöglicht.

Eisengallustinte – eine Alte Rezeptur

Die alte Rezeptur der Eisengallustinte, die immerhin als zweitälteste Tinte der Welt gilt, beschreibt eine ausgewogene Zusammensetzung von Eisensulfat, getrockneten und zerstampfte Galläpfel der Eiche, den Pflanzensaft von Akazien (Bindemittel) und entsprechend der gewünschten Tintenverdünnung noch herkömmliches Wasser.

Wird mit der schwarzen Eisengallustinte anschließend Papier beschriftet, sind die entstandenen Schriftzüge weitgehend für immer existent. Ein Beweis für die Behauptung: Eisengallustinte – damit schrieben bereits die alten Römer. Selbst stark verblasste, altertümliche Schriften können wiederum mit einem sorgfältigen Gemisch aus Gelbkali und Salzsäure gut sichtbar gemacht werden. Eine Restaurationsform, die besonders bei alten, handgeschriebenen Büchern gerne angewandt wird. Zumal diese Bücher oftmals einen unermesslichen Wert darstellen.

Alte Schriften

Gerade in besonders gut sortierten Antiquariaten ist es auch heute noch möglich, handschriftlich mit Eisengallustinte verfasste Bücher zu erwerben. Natürlich ist der Preis nicht für jedermann immer erschwinglich. Doch allein schon das Anschauen solcher Bücher stellt einen Bezug zu alten Kulturen und Lebensformen für den Betrachter dar.

Übrigens: Noch heute verwenden die Edelmarken der Füllfederhalterhersteller „Montblanc“ und „Lamy“ für einige ihrer Produkte eine moderne Zusammensetzungsrezeptur der einstigen Eisengallustinte. Ebenfalls wird diese geschichtsträchtige Tinte auch oftmals im Chemieunterricht der Gymnasien in kleinen Versuchsmengen hergestellt.

Wer es ein bisschen einfacher und günstiger mag, kann auch einfach bei Manufactum ein Tintenglas mit Eisengallustinte bestellen, mit rund 10 Euro kein totales Schnäppchen, aber dafür extrem stilecht.

Emblemata

Als Emblemata wird in der Buchkunst eine Darstellungsweise und Kombination von Bild und Schrift verstanden, die in modernen Werken nur noch selten zu finden ist. Vor allem in der Belletristik früherer Jahrhunderte fanden sich Emblemata, die die dargestellte und durch den Text beschriebene Handlung noch einmal durch eine Bebilderung ergänzen sollte. Dies sollte jedoch nicht auf die einfache Weise eines Bilddrucks geschehen, der die Handlung in identischer Weise darstellte.

Emblemata gibt es nicht mehr? Oder nennen wir sie nur anders?

Vielmehr enthielten die Embleme zusätzliche Informationen und Besonderheiten, die so nicht im Text erkennbar waren oder dem Geschriebenen eine zusätzliche Bedeutungsebene verleihen konnte. In dieser Hinsicht waren Wort und Bild viel stärker eine Einheit als in heutigen Büchern und nahezu gleichberechtigt in der Weise der Darstellung und Erzählung.

Bekannte Formen von Emblemen früherer Jahrhunderte liegen auch als Kupferstiche oder Holzschnitte vor und bringen durch kurze Sinnsprüche mit einem zugehörigen Bild den Betrachter zum Nachdenken und bisweilen auch zum Schmunzeln. Heute lassen sich in der modernen Literatur kaum mehr Emblemata finden, jedoch sind Embleme nicht gänzlich aus unserem Alltag verschwunden. Wappen von Vereinen und Clubs können ebenso wie die Logos moderner Firmen als solche angesehen werden.